Das Glaubensbekenntnis – Die beständige Gegenwart des Herrn in der Eucharistie

Die spürbare Gegenwart Gottes gehört zu den grundlegenden Erfahrungen der Bibel. Sie steht bereits am Anfang der Glaubensgeschichte Gottes
mit dem Volk Israel. Im Buch Exodus offenbart Gott im brennenden Dornbusch seinen Namen, mit dem Mose vor das Volk Israel treten soll: Jahwe – „Ich bin der ICH-BIN-DA“ (Ex 3, 14). Mit dem Namen Jahwe macht Gott deutlich, dass er nicht weit weg und fern von seinem Volk im Himmel sein will. Nein, das Kennzeichen Gottes ist gerade seine Nähe zu seinem Volk. Er ist der „ICH-BIN-DA“, der Gott in Rufweite, der Israel aus Ägypten befreit. So sehr gehört die Nähe und Sorge für sein Volk Israel zu Gott, dass sie zu seinem Namen wird. Eben in der Lesung aus dem Buch Exodus haben wir gehört, wie Gott mit dem Volk Israel seinen Bund schließt. Jahwe ist der Gott der Israel eine gerechte Lebensordnung schenkt. Das Volk verpflichtet sich in der Gemeinschaft mit Gott zu leben und ihn als Herrn anzuerkennen. Das Alte Testament zeigt immer wieder, dass Jahwe der „realpräsente“ – der wirklich gegenwärtige – Gott ist. Er ist präsent, gegenwärtig, um sein Volk zu führen und ihm in der Not zu helfen.

Eine neue Dimension erreichte diese Nähe Gottes in der Menschwerdung. Gott stellt sich in unüberbietbarer Weise auf die Seite der Menschen. Er kommt uns so nahe, dass er in Jesus Christus wirklich zum Immanuel wird. Dieser hebräische Name heißt übersetzt „Gott ist mit uns“ (vgl. Mt 1,
23). Wie sehr Gott in Jesus Christus „realpräsent“ – wirklich gegenwärtig – ist, zeigt sich in den Predigten Jesu, die die Menschen bewegen, weil hier einer mit göttlicher Vollmacht spricht, und in seinen vielen Wundern, die Zeichen der Liebe und Nähe Gottes zu den Menschen sein wollen. In Jesus Christus ist Gott mit Händen zu greifen, mit Ohren zu hören, mit Augen zu sehen. Der unendliche und unfassbare Gott wird für uns im wahrsten Sinne des Wortes „fassbar“, wir können Gott auf menschliche Weise begegnen.

Hinter diese Nähe zu uns Menschen will Gott nicht mehr zurückgehen. Er will für uns immer der „realpräsente“ Gott sein, dem wir ganz nahe kommen dürfen. Beim Letzten Abendmahl bestimmt Jesus Christus selbst Brot und Wein zu Zeichen seiner Gegenwart unter den Menschen: „Das ist mein Leib. – Das ist mein Blut.“ Der Glaube der Kirche, den sie mit dem Begriff Realpräsenz ausdrückt, ist der schlichte Glaube, dass Jesu Worte wirklich das vermögen, was sie sagen: „Das ist mein Leib. – Das ist mein Blut.“

Mit der Gegenwart Jesu Christi in der Eucharistie macht Gott seinem Namen Jahwe alle Ehre. Er erweist sich so wirklich als der „ICH-BIN-DA“, der Gott, der uns nie verlässt und den Menschen immer begegnen will. In der Eucharistie lädt Jesus uns ein, immer wieder mit Leib und Seele seine Nähe zu suchen. Die Menschen, die im Gebet vor dem Tabernakel knien, sind daher immer noch der sicherste Hinweis und das beste Zeugnis für die Realpräsenz Jesu Christi. An den Gesichtern der Beter wird deutlich, dass hier mehr ist als ein Stück Brot, dass sie in der eucharistischen Anbetung Jesus selbst begegnen und eine lebendige Gotteserfahrung machen, wie Mose im brennenden Dornbusch. Papst Johannes Paul II. beschreibt die tiefe Begegnung, die in der eucharistischen Anbetung mit Jesus Christus möglich ist, so: „In Ihm, dem fleischgewordenen Wort, klärt sich nämlich nicht nur das Geheimnis Gottes auf, sondern das Geheimnis des Menschen selbst. In ihm findet der Mensch Erlösung und Vollendung.“