Der Turm von „ St. Pankratius“

Eine nicht ganz ernst zu nehmende Geschichte aus alter Zeit, aber die einzig wahre über den schiefen Kirchturm von „Esch“

Frei nach F.v.Münchhausen                                                                   erlogen von K.Werr

Photo17Es war im Winter 1813 bis 1814 , die vereinigten Truppen des Zaren und des Preußenkönigs  haben die “Grande Armee“ des Kaisers Napoleon vor Moskau vernichtend geschlagen. Geschwächt durch die hohen Verluste auf dem Schlachtfeld und dem strengen russischen Winter flüchteten die französischen Soldaten in panischer Verzweiflung, mit allem was sie noch hatten, meist war es nur das nackte Leben, in Richtung Heimat.

Ihr oberster Feldherr Napoleon  erreichte mit einer kleinen Resttruppe den rettenden Rhein, damals die alte Grenze zu Preußen, verfolgt von preußisch- russischen Truppen unter Feldmarschall Blücher und  General von Gneisenau.

Er erreichte das westliche Rheinufer in der Nähe von Koblenz/ Neuwied und setzte seine Flucht  durch die Eifel, entlang einer alten Römerstraße, in Richtung Paris fort. Wer ihn jedoch noch hartnäckiger als das Preußen Heer verfolgte war der eisige russische Winter der das ganze Land in Schnee und Eis erstarren lies dass sogar der Rhein zufror und Marschall Blücher mit seinen Truppen bei Kaub in der Neujahrsnacht 13/14, also vor fast genau zweihundert Jahren, den Fluss überqueren konnte. Die ganze Eifel lag unter einer dichten Schneedecke. Starkes Schneetreiben und ein kalter Eifelwind machten eine Orientierung fast unmöglich. Auch sein Standortbestimmer  Ganz Persönlicher Standort  GPS, (die neueste Errungenschaft der Kaiserlichen Wissenschaftler,) gab keine verlässliche Auskunft. „Kehren Sie wenn möglich um“ war die ständige Ansage der bezirzenden Stimme einer reizenden Pariserin.

So irrte der kleine noch verbliebene Trupp ziellos in der unwirtlichen Gegend bei finsterster Nacht umher. Nur durch Zurufen konnte man feststellen dass das Häufchen der Begleiter durch Entkräftung und Hunger immer kleiner wurde. Spät, es war wohl schon fast Mitternacht, kam keine Antwort mehr und der Kaiser fühlte sich einsam und von allen seinen Soldaten verlassen.  Im fahlen Mondlicht, das sich durch das Schneegestöber für einen kleinen Moment erahnen lies, glaubte er die Umrisse der Genovevaburg zu erkennen. Er lies sie jedoch links liegen, da er nicht wusste ob sie noch von seinen Freunden oder gar schon vom  Feind besetzt war.

Mühsam schleppte sich sein Ross, das so gar nichts mehr von einem Ross an sich hatte, auf die Bergeshöhen der Eifel die sich, oberhalb der Wolkendecke, in eine im vollen Mondlicht glitzernde Pracht verwandelten. Froh dem tristen Grau des Schneesturmes entkommen zu sein, jedoch ganz allein, fühlte er sich dennoch erleichtert und frei, zumal er sich ja jetzt wieder auf noch französisch besetztem Land befand.

Todmüde und sein Pferd zum Umfallen ermattet, entschloss er sich auf dieser freien weiten Schneefläche, eventuelle räuberischen Gesellen oder Wegelagerer waren nicht zu erwarten, und wenn dann von weitem zu erkennen, ein wenig Ruhe zu gönnen. Kein Baum oder Strauch an dem er sein Pferd anbinden konnte waren zu finden nur ein rostiges Eisen lugte aus der festen Schneedecke. Hier band der Korse  sein Ross an, lies es sich lagern, zog seinen Mantel zu, steckte seine rechte Hand in seine linke Brusttasche um seine Geldbörse und sein Navi, die moderne Bezeichnung für seinen  „Standortbestimmer“, zu schützen, rückte seinen Dreispitz zurecht und legte sich neben seinem Pferd zur Ruhe.

Ein Kitzeln an der Nasenspitze ließ ihn erwachen. Er weiß nicht wie lange er geschlafen hatte, er öffnete die Augen und wurde von strahlendem Sonnenschein geblendet. Hoch am Himmel, es war anscheinend  weit über Mittag, lachte ihn die volle Sonne an. Es war ihm so warm, nicht nur ums Herz, er lag auf einem  dampfenden Misthaufen im Hof eines burgähnlichen Anwesens. Hühner und Ziegen liefen auf dem Hof umher. Wo war der ganze Schnee geblieben und wo war sein Pferd? Hatte er das alles nur geträumt?

altes%20kino%20altNicht nur die Preußen, sondern auch der russische Winter, waren zurückgeblieben und die Sonne und der warme Westwind haben über Nacht den ganzen Schnee schmelzen lassen. Wo bin ich fragte er sich und besann sich auf sein Navigationsgerät und da er sich ja wieder im eigenen Land befand konnte es ihm sicher Auskunft über seinen derzeitigen Aufenthalt geben. Er holte es aus seinem Wams und die liebliche bereits bekannte Stimme der netten Pariserin säuselte  „Mein Kaiser, Sie befinden sich in >Esch am Pommerbach< auf der Mahlburg, dem Stammsitz einer Schiefer Dynastie derer „von der Leyen“, aufgebaut auf einer alten Mühle, daher der Name (hat nichts mit unserem Pastor zu tun), die früher von dem nahe gelegenem  Steinebach angetrieben wurde.

Jetzt erst hörte er sein Pferd jämmerlich wiehern, ja mein Pferd wo ist das treue Stück. Das Wiehern kam nicht von, rechts, links, vorne oder hinten, nein es kam von oben. Wie das?  War es vielleicht schon im Himmel - und er blickte nach oben.  Oh Schreck was sah er da. Oben am Kreuz des Kirchturmes von St. Pankratius hing sein treues Tier. An dem eisernen Stab der aus dem hohen Schnee ragte hatte er es gut angebunden. Dem armen Tier konnte keiner helfen. Auch ein gezielter Schuss aus seinem Vorderlader zum Durchtrennen der Zügel (wie einstmals der Lügenbaron Münchhausen), womit er das Tier angebunden hatte, traf nur die goldene Kugel mit dem Turmkreuz. Der Einschuss ist heute noch zu sehen. Die Floriansjünger von Esch am Pommerbach hatten keine so große Leiter um das Tier abzuhängen und der Hobby-Bergsteiger KH Steffes-enn der den Turm schon mal zum Üben nutzte, war noch nicht geboren um ihm eventuell etwas Hafer zu bringen. Man konnte nur noch auf ein Wunder hoffen.  Und das Wunder geschah. Der Kirchturm  von St. Pankratius, der ja nur als Sitzstange für einen Hahn konstruiert war,  neigte sich unter der Last des Pferdes und der Kraft vom „ Escher Wend“  westwärts bis das Seil, an dem das Pferd befestigt war, sich von dem Kreuz löste, und der Gaul herunter fiel

   Der Kirchturm hat sich von seiner Schräglage von damals bis heute nicht erholt.

Leider hat das Pferd diesen Sturz nicht überlebt. Napoleon aber gelobte dem Ross aus Dankbarkeit an seiner Absturzstelle ein Denkmal zu errichten. Er erkundigte sich bei den von der Leyen´s nach einem Künstler, der in der Lage war in kürzester Zeit ein Standbild für sein Pferd zu schaffen. Er selbst wollte die Arbeiten überwachen und das Bildnis aufstellen. Zu diesem Zwecke bezog er das Jakobspilgerzimmer im alte Prison  als vorübergehendes Quartier. Er beauftragte den Ihm als Holzbildhauer vom nahen Kloster Maria Martental benannten Bruder Mathias ein großes Holzbildnis seines Pferdes anzufertigen. Er selbst stellte es dann an der Stelle auf wo sein Ross vom Kirchturm abgestürzt war. Es ist der gleiche Platz an dem heute das etwas stand- und wurmfestere  Pferd des Depeschenreiters steht.

nachtw├ĄchterNapoleon entzog dem Ort „ Esch am Pommerbach“ zwar die vom deutschen Kaiser erteilten Stadtrechte, dafür durften sich die Escher fortan Kaisersescher nennen.

Ein Nachfahre des Holzbildhauers Bruder Mathias  aus Martental, den man im Volksmund einfach Schnitzler nannte, kümmert sich heute noch um die Geschichte der Stadt ( sie hat ihre Stadtrechte wiedererhalten) und alte Erinnerungsstücke und das kurzfristige Urlaubsdomizil des Kaisers im alten Prison von Kaisersesch.

 

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Der Bischöfliche Verwalter der Kaisersescher  Liegenschaften, Pfarrer  Malburg, blickt  heute sorgenvoll auf die Standfestigkeit seines Kirchturms, (Ihm, dem Kirchturm, wird anscheinend auch die Last des Hahnes zu schwer) und freut sich über jede Hilfe zur Erhaltung des Kaisersescher Wahrzeichens dem „Schiefen Turm von Esch“

                 

 

 

 

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Spendenkonto für den „Schiefen Turm“

Raiffeisenbank  Kaisersesch

BLZ: 570 691 44

Kontonr.: 100 140 281